Everything Everything – Re-Animator

Wie schmeckt eigentlich Schokopudding mit Zwiebeln? Seit 2007 beantworten Everything Everything diese Frage zumindest auf musikalischer Ebene. Die Briten bringen auch auf ihrem neuen Album “Re-Animator” wieder zusammen, was unter keinen Umständen zusammengebracht werden dürfte: Eingängigkeit und Experiment, Hookige Pop-Dreiminüter und Ohrenbluten verursachende, sperrige Gitarren, garniert mit unerwartet komplexen Songstrukturen. Einzig konstantes Element bei Everything Everything ist die unverkennbare Falsett-Stimme von Jonathan Higgs. Der hat sich – dem soundästethisch-intellektuellen Anspruch entsprechend – dieses Mal von Vorzeige-Psychologe Julian Jaynes und seiner Theorie der bikameralen Psyche beeinflussen lassen.

Johanna Amelie – Beginnings

Manchmal ziehen hiesige Musiker und Musikerinnen im Ausland so große Kreise, dass sie außerhalb von Deutschland bekannter sind als hierzulande. Johanna Amelie ist so ein Fall. Ursprünglich aus München und in einer durch und durch musikaffinen Familie groß geworden, erscheint jetzt ihr neues Album “Beginnings”. Das Credo der Platte: Aufbruch als Selbsttherapie – vor kurzem starb ihre Mutter und so ist jede Note, jedes Wort, jeder Song ein kleiner Ruck raus aus dem Sumpf der eigenen Trauer. Angenehm untheatralisch klingt sie dabei, das Piano als melancholischer Farbtupfer kommt nur pointiert zum Einsatz. Viel ist klassisch instrumentiert, Gitarre, Synthie, Bass, Drums: von Song zu Song verschiebt sie dabei den Schwerpunkt. Kompositorisch hochinteressant, inhaltlich düster, aber trotzdem nicht so sackschwer, dass es einen deprimiert zurück lässt.

Asaf Avidan – Anagnorisis

Nicht erst seit dem unsäglichen „Eines Tages werden wir alt sein“-Poetry Slam von Julia Engelmann ist der Mann hinter dieser Zeile ein Star. Asaf Avidan kommt aus Israel. Mit dem “Reckoning Song” gelingt ihm der Durchbruch, jetzt erscheint sein neues Album. “Anagnorisis” – ein Begriff aus dem Lateinischen, der das Wiedererkennen zwischen Verwandten, Freunden usw. als dramatisches Element in der antiken Tragödie bezeichnet. Und Wiedererkennen ist ein gutes Stichwort: Asaf Avidan könnte traditionelle mongolische Folkmusik oder christlichen Thrashmetal machen – seine quäkig-androgyne Stimme ist und bleibt ein Unikat. Trotzdem sind wir froh, dass er sein Organ auf der neuen Platte in eingängige Gospel, Hip-Hop und Popgewänder einhüllt. Je reduzierter er sich dabei produktionstechnisch austobt, desto wirkungsvoller sind die Songs. Mit so einer Stimme, ist weniger definitiv mehr.