Mit seinem Film "Parasite" hat es Regisseur Bong Joon-ho in den Film-Olymp geschafft – mehr als 250 Film- und Festivalpreise hat der Film eingeheimst. Jetzt rückt mit "Snowpiercer" einer seiner älteren Filme in den Fokus. Der Film aus dem Jahr 2013 wurde vom US-Sender TNT in eine Serie umgewandelt und ist jetzt bei Netflix verfügbar. Bong Joon-ho ist wieder dabei, aber nur als Produzent. Ob die Serie mit dem Film mithalten kann – FluxFM-Redakteur Ron Stoklas hat vorab reingeschaut.

Die rollende Rettung der Menschheit

Vergesst Zombie-Apokalypsen und Asteroiden: In der Serie Snowpiercer führt der menschengemachte Klimawandel zum Ende der Welt.

"Zuerst änderte sich das Wetter. Der Krieg machte die Erde noch heißer. Die Gletscher schmolzen und all ihre Spezies starben. Also versuchten die Wissenschaftler die Erde zu kühlen, aber stattdessen haben sie sie bis auf den Kern eingefroren."

Die Überlebenden sitzen nicht in einem Bunker oder sind auf der Suche nach einem Planet B – sie fahren im Snowpiercer, einem 1001 Wagen langen Zug, über die gefrorene Erde. Als eine Art Perpetuum mobile schnaubt die Lok der Firma Wilford Industries seit sieben Jahren um den Globus.

Klassenkritik in Zugform

In den ersten Wagen leben die Reichen und Mächtigen im Luxus, am Ende, dem sogenannten Tail, die Armen - auf engstem Raum. Die Reichen bestimmen alles. Der Rest muss damit klarkommen. Es geht um Klassenkampf, soziale Ungerechtigkeit und Überlebenskämpfe im Cyberpunk-Ambiente.

„Wenn wir nicht bald was tun, wird es zu spät sein. Sie lassen und bis zum Aussterben hungern. Sie haben unsere Frauen sterilisiert. Es gab keine Geburt mehr und das seit fünf Jahren.“
„Ich sage wir kämpfen!“
„Ihr erinnert euch doch sicher an die Rebellion. Wir kämpften wie eine Armee, aber hatten keine Hilfe von der anderen Seite. 62 Tote.“ 
„13 Arme wurden als Strafe genommen.“

Wer aufmuckt muss den Arm durch ein Loch in die knapp –100 Grad kalte Luft halten. Anschließend kommt ein Hammer. Kein schönes Bild.

Mehr Detektiv-Story, weniger Action-Spektakel

Anders als im Film dreht sich die Serie aber nicht primär um die Revolution gegen dieses System, sondern um die gesellschaftlichen Strukturen und den Zug an sich. Verpackt in einer Detektiv-Story um Tail-Bewohner Andre und Zug-Angestellte Melanie.

„Ich bitte um Entschuldigung Detective.“ 
„Sie sind die Stimme des Zugs.“ 
„Die bin ich. Ich habe verschiedene Posten. Es ist relativ einfach. Sie sind der einzige Mord-Detektiv in diesem Zug und deshalb bittet Mr. Wilford sie um ihren Beitrag."

Dumm für Snowpiercer: Die Geschichte benötigt einige Folgen, um in Fahrt zu kommen. Besser sind die teils tollen Figuren und das Innenlebens des Zuges - mal schlendert man durch Waggons voller Erdbeeren, mal durch einen Wagen-Mix aus Nacht- und Fight-Club. Letztendlich ist diese Snowpiercer-Version nicht mit der schnellen actiongeladene Ausgabe von Bong Joon-ho vergleichbar. Ihren individuellen Charme hat sie trotzdem – zumindest, wenn man sich etwas Zeit nimmt.

Hier der Trailer zur Serie

Zu sehen gibt es Snowpiercer ab dem 25.05.2020 bei Netflix. Zum Start sind die ersten beiden Folgen verfügbar. Jede Woche kommt wie in den USA eine neue hinzu. Wer die ganze Staffel in einem Rutsch bingewatchen will, muss noch bis voraussichtlich Ende Juli warten.