Cyberpunk 2077 ist das Hype-Game des Jahres – wahrscheinlich sogar der vergangenen zehn Jahre! Jetzt ist es draußen - FluxFM-Gameboy Ron Stoklas hat es getestet.

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Willkommen in Night City

Technischer Fortschritt prallt auf abgefuckte Gesellschaft – alles im Neon-Look. Cyberpunk 2077. Willkommen in der Dystopie von Night City - der bisher geilsten Metropole im Videospielbusiness! Die Stadt ist grandios, futuristisch und extrem kaputt. Ein Moloch der Gegensätze an der kalifornischen Westküste.

Unendliche Optimierungsmöglichkeiten

Ihr spielt V. Vor dem Start legt ihr eure Optik fest – das kann Stunden dauern. Frisur, Narben, Pupillen - alles passt ihr an. Wie wäre es zum Beispiel mit Totenkopfpupillen. Auch das Geschlecht legt ihr fest, ohne an konservative männlich-weiblich-Definitionen gebunden zu sein. Zum Schluss wählt ihr einen von drei Lebenspfaden, der eure Vorgeschichte bestimmt. Nomade, Streetkid oder Corpo. In letzterem habt ihr euch die kapitalistische Karriereleiter hochgearbeitet, um radikal abzustürzen.

Unbekannte Person: „V. Ist das korrekt?“
V: „Gibt‘s ein Problem?“
Unbekannte Person: „Wir sind wegen dir hier.“
V: „Argh...Fuck!“
Unbekannte Person: „In zwei Minuten hört jegliche Konzern-Kybernetik in deinem Besitz auf zu funktionieren.“
Jackie: „V...alles klar?“
V: „Ich...kann nicht atmen.“

Gute Story, tolle Figuren

Ihr wurdet gefeuert. Eure futuristischen Modifikationen sind futsch. Später upgradet ihr euch wieder mit künstliche Klingenarmen und Robo-Beinen zum lautlos rennen. Als V übernehmt ihr kleinkriminelle Jobs. Der größte dreht sich um einen ominösen Biochip, der euch mit dem von Keanu Reeves gespielten Johnny Silverhand verbindet.

V: „Soll das heißen, da ist ein Terrorist in meinem Kopf. In diesem Augenblick?“
Johnny: „Ich tue, was auch immer nötig ist, um es aufzuhalten.“

Erzählt wird die Story wirklich gut – mal spannend, mal lustig, mal düster. Das gilt auch für die vielen in der Welt verteilten Nebenmissionen. Dass das funktioniert, liegt an Night City und den menschlich wirkenden künstlichen Charakteren, die umherlaufen.

Die Schattenseite des spielerischen Erfolgs

Zu kritisieren ist der technische Zustand des Spiels zum Release. Bugs überall! Von Grafikfehlern mit schwebenden Gegenständen oder festhängenden Figuren bis zu Abstürzen. Das soll alles schnell mit Updates gefixt werden, nervt aber, weil das Spiel wiederholt nach der Prämisse verschoben wurde „Wir veröffentlichen, wenn das Spiel fertig ist“.

Drastisch ist das für Spieler*innen auf der normalen PlayStation 4 oder Xbox One. Hier ruckelt es nicht nur, sondern ist auch optisch von dem entfernt, was versprochen wurde. Cyberpunk 2077 ist aktuell für starke PCs und die neue Konsolengeneration ausgelegt. Wartet für die alten Konsolen lieber noch die angekündigten Updates ab.

Das ist zudem nur die technische Kritik. Während der Arbeit am Spiel wurde erneut über die Arbeitsbedingungen in der Games-Branche diskutiert. Im Fall von Cyberpunk 2077 und Entwicklerstudio CD Projekt Red ging es dabei unter anderem um Pflicht-Überstunden und an Bewertungen gekoppelte Bonuszahlungen.

Meisterwerk ... mit Abstrichen

Cyberpunk 2077 ist noch nicht perfekt. Aber das Game des polnischen Entwicklerstudios CD Project Red liefert eine atemberaubende Spielwelt und fantastische Charaktere. Es ist ein Fingerzeig dahin, in welche Richtung sich die neue Konsolen- und Grafikgeneration entwickeln kann. Ein echtes Meisterwerk ... mit Abstrichen.

Cyberpunkt 2077 von Entwicklerstudio CD Projekt Red ist am 10. Dezember 2020 für die PlayStation 4, Xbox One, GeForce Now, Google Stadia sowie für Microsoft Windows erschienen. Im Jahr 2021 soll es für die PlayStation 5 und für die Xbox Series erscheinen. Kostenpunkt zum Release: knapp 60 Euro.