Wer das Fernsehen kontrolliert, bestimmt die Meinungsbildung. In Ländern mit autoritären Regierungen, wird deshalb aus dem Lieblingssender schnell ein Propaganda-Programm. Hier wird die Wahrheit plötzlich individuell zurechtgedreht. Die Simulation Not For Broadcast will das erfahrbar machen. FluxFM-GameBoy Ron Stoklas hat im Spiel die Kontrolle eines TV-Senders übernommen und entschieden, was die Menschen zu sehen bekommen – und was nicht.

Willkommen bei den National Nightly News

Viele Knöpfe, blickende Lichter überall und diverse Regler zum drehen - Willkommen im Sendestudio der National Nightly News. Für euch eigentlich alles Wumpe. Im Spiel Not for Broadcast seid ihr eine Reinigungskraft und wollt den Laden nur entstauben. Daraus wird nix.

Alright Mate. Dave here. Listen, I know you only come in to clean the place, , but i got a bit cought up. So äh, you gonna have to run the news tonight.

Kleines Studio, viele Aufgaben

Nach einem kurzen Tutorial übernehmt ihr das Mischpult – und damit das Programm. Euer Ziel: Viele Zuschauer begeistern. Die Beiträge sind vorgegeben. Wie sie über die Mattscheibe flimmern liegt bei euch. Ihr wählt aus vier Kameraperspektiven und setzt damit Zitate und Reaktion in Szene. Darüber hinaus wählt ihr die Werbung aus, verhindert Störsignale und müsst Schimpfwörter auspiepen – teils parallel.

Oder auch nicht. Das lautstarke "Fuck" des besoffenen Politikers könnte schließlich Quote bringen. Das Game selbst spielt übrigens in einem fiktiven 80er-Jahre England. Gerade wurde gewählt – eine populistische Partei hat gewonnen. Dumm für euch: Sie wollen, dass ihr die News nach ihren Vorgaben gestaltet. Weigert ihr euch, könntet ihr gefeuert werden. Fingerspitzengefühl ist angesagt. Neben Politik geht es um Sport, Kultur und Promis - schön tendenziös und Gossip-geladen.

Not for Broadcast ist ein Full Motion Video. Heißt: Auf eurem Bildschirm verschwimmen das virtuelle Studios mit den verkieselten Film- und Werbeclips, die mit echten Menschen gedreht wurden. Alles satirische Clips mit Overaction, übergroßen Anzügen und 80er-Aerobic-Outfits. Trash Deluxe!

Ernstes Thema, aber noch Luft nach oben

Teil des Systems sein oder die Macht der Regler zum Protest nutzen – in bislang drei Kapiteln versucht Not for Broadcast einen Einblick zu liefern, wie ein totalitäres Regime Medien beeinflusst. Schnell erwischt man sich dabei, unpassende Zitate durchzuwinken – alles für die Quote. Und doch: Trotz des ernsten Themas, ist viel Humor im Game, eventuell etwas zu viel. Die Hoffnung für die finale Version des Early-Access-Titels ist klar: Eine klarere politische Note bitte.