Urlaub auf Balkonien war noch nie so attraktiv wie dieses Jahr. Weil aber nicht jeder Mensch einen Balkon hat und Urlaub in den Weiten Europas noch unsicher und nicht unbedingt empfehlenswert ist, haben wir in der Redaktion rumgefragt und die schönsten Reiseziele innerhalb Deutschlands für euch zusammengesammelt. Statt „der Song ist das Ziel“ gilt nun: Das Ziel ist das Ziel.

Im Radio:
1. bis 5. Juni 2020

Wanderurlaub in der Schwäbischen Alb

empfohlen von Miki Sič

Mein absoluter Geheimtipp: die Schwäbische Alb. Klingt unspektakulär und etwas angestaubt, ist es aber nicht. Ganz im Gegenteil. Zumindest wenn man mit Natur und wandern etwas anfangen kann.

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Was soll ick da?
Die Seele baumeln lassen. Am besten nachdem ihr fünf Stunden lang querfeldein über die Alb gewandert seid. Z.B. durch das Glastal oder die Lauter entlang und dann auf die Ruine Wartstein hoch, wo ihr einen fantasischen Ausblick genießen könnt – wenn ihr keine Höhenangst habt! Zur Belohnung kehrt ihr in eines der unzähligen Gasthäuser ein und genießt die herrlich rustikale schwäbische Küche: Maultaschen mit Kartoffel- und Gurkensalat, Käsespätzle, Zwiebelrostbraten.

Was gibts da so zu kieken?
Weitere Sehenswürdigkeiten: Burg Derneck, Schloss Lichtenstein, die Nebelhöhle und der Uracher Wasserfall, das Landesgestüt Marbach und und und... Bei allem immer kostenlos dabei: Felder, Flüsse, Wiesen, Wälder, die gerne an das Auenland erinnern, vor allem im Herbst.

Wo komm ick unter?
Zum Beispiel im autofreien Feriendorf Lauterdörfle im Luftkurort Hayingen. Die urgemütlichen Holzhäuser, in denen ihr den Kamin anschmeißen, euch selbst versorgen und auf der eigenen Terrasse entspannen könnt, gibts ab 64 Euro pro Tag. Falls es doch lieber ein Hotel oder Gasthof sein soll, habt ihr die Wahl in allen Preisklassen.

Hohwachter Bucht

empfohlen von Jasmin Kröger

Endlos langer, weißer Sandstrand... Nee nix Malediven, ich rede von einem Fleckchen Erde zwischen Kiel und der Insel Fehmarn. Hier liegt sie: die Hohwachter Bucht, ein idyllischer Küstenabschnitt mit Steilküsten, Wäldern und Dünen. Zum Fischerdorf mit rund 900 Einwohnern fahrt ihr mit dem Auto gute vier Stunden, die nächsten Bahnhöfe sind Plön, Kiel und Oldenburg.

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Was gibts da zu kieken?
Ganz viel Natur, denn kein Haus darf hier höher sein als die Bäume. Eine Seltenheit an der Ostseeküste. Wenn das für euren Instagramkanal nicht reicht, könnt ihr noch Bilder vom Wahrzeichen Hohwachts, der Seeplattform „Flunder“, schießen. Im Gegensatz zu den Seebrücken mancher Nachbarorte führt die zwar nicht weit auf die Ostsee hinaus, bietet aber mit 370 Quadratmetern viel Platz für lässige Posen.

Gibt’s da Wetter?
Ja, und zwar in allen Sorten: Sonnig, stürmisch, bewölkt, diesig, für jeden was dabei. Und Achtung: Wie beim DJ auf Opas Geburtstag, bleibts nie lange bei einem Genre. Meint: am Meer wechselt das Wetter stetig: eben noch Sonne gleich wieder Regen, aber auch umgekehrt. Daher immer Badehose und Friesenerz in der Strandtasche mitführen.

Was soll ick da?
Nach einem erholsamen Strandtag fangfrischen Fisch essen und zwar beim besten Fischimbiss im Ort: der Kombüse. Schön ist anders, aber von dem Behelfsheimplastikcharme solltet ihr euch nicht abschrecken lassen. Der Fisch ist top, kommt samt einer ordentlichen Portion Bratkartoffeln in der Pfanne serviert und oben drauf bekommt ihr den Klönschnack ausm Ort. Feine Sache dat!

Badeurlaub am Roofensee

empfohlen von Julia Oberlohr

Ruhe und kaltes, klares Wasser: wer das sucht, wird am Roofensee im nördlichen Brandenburg fündig. Von Berlin aus seid ihr mit dem Auto in knapp anderthalb Stunden dort. Die nächsten Bahnhöfe sind in Gransee und Fürstenberg an der Havel.

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Was soll ick da?
Schwimmen. Der Roofensee ist ein Klarwassersee mit richtig guter Qualität, der auch im heißen Sommer nicht kippt. Er ist Teil des Naturschutzgebietes Stechlin, heißt: auf dem See sind Motorboote nicht erlaubt, es ist herrlich ruhig und ihr könnt ganz entspannt mit einem Ruderboot rumschippern. Oder um den See laufen: eine Stunde dauert das etwa, unter überhängenden Buchen, Erlen und Eichen. Hier kommt jede gestresste Seele runter. Was zusätzlich hilft: kaum Internet, manchmal nicht einmal Telefonempfang – digital detox deluxe.

Was gibts da so zu kieken?
Wer die Seeidylle kurzzeitig verlassen will, kann zum Beispiel einen Abstecher nach Rheinsberg machen, das liegt ca. 15 Kilometer vom Roofensee entfernt. Dort gibt es ein wunderschönes Schloss samt Schlosspark, die hübschen Keramikwerkstätten und die Schokoladenmanufaktur sind auch einen Abstecher wert!
Oder ihr wandert rund fünf Kilometer nach Neuglobsow, immerhin ein staatlich anerkannter Erholungsort, den schon Theodor Fontane in den höchsten Tönen gelobt hat.

Wo komm ick unter?
Die Auswahl am Roofensee ist überschaubar und basic: der Naturcampingplatz wartet nur darauf, endlich wieder öffnen zu können. Außerdem gibts rund um den See diverse Ferienhäuser und Bungalows, fast alle auf Waldgrundstücken, ab ca. 60 Euro pro Nacht.

Kletterurlaub im Bielatal

empfohlen von Ron Stoklas

Keinen Bock auf Städtetrip und auch am Wasser rumliegen und sich die Sonne auf den Wams brennen lassen ist nicht euer Ding. Dann besucht Bielagrund im Klettergebiet Bielatal in der Sächsischen Schweiz. Mit dem Auto braucht ihr von Berlin knapp drei Stunden. Mit den Öffis dauerts etwas länger. Dazu mit dem Zug nach Königstein und von dort den Bus nehmen.

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Was soll ick da?
Klettern! Was sonst. Heißt ja nicht ohne Grund Klettergebiet. Egal ob Anfänger oder Profi. Wichtig: Geklettert wird mit traditioneller Absicherung. Das heißt ihr müsst euch fast den gesamten Weg zu den Gipfeln selbst um die Sicherung kümmern. Ringe oder Ösen sind selten. Also Augen auf bei der Wegwahl im Sandsteingebirge. Je nach Location ist der Internetempfang auch nicht prickelnd. Also ein Buch, Karten und Brettspiele für den Abend nicht vergessen.

Was gibts da so zu kieken?
Vor allem Sandsteingipfel in den unterschiedlichsten Formen, darunter der Artariastein und die zwei Herkulessäulen. Wenn ihr davon genug habt oder der Muskelkater in den Armen zu stark wird, könnt ihr auch die Festung Königstein besuchen – by the way eine der größten Bergfestungen Europas. Von Bielagrund ist die knapp 15 Kilometer entfernt. Alternativ könnt ihr euch auch einfach die Beine vertreten und eine der mehr als 100 Wanderrouten in der Region erkunden.

Wo komm ick unter?
Richtig viel gibt es hier nicht, ist halt einfach ein kleiner Ort. Direkt im Bielagrund wären da die Felswelten oder die Herberge Ottomühle. Ansonsten checkt ihr einfach die anderen Ferienhäuser und Bungalows in der Region. Kostenpunkt meist zwischen 50 und 70 Euro pro Nacht.

Weinbergwandeln am Kaiserstuhl

empfohlen von Barbara Schwörer

Zwischen Schwarzwald und Vogesen liegt das Mittelgebirge Kaiserstuhl, ein ehemaliger Vulkan. Mit seinem mediterranen Klima fühlt ihr euch wie in der Toskana oder der Provence, obwohl ihr nur im südwestlichen Teil Deutschlands seid.

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Was soll ich da?
Wandern, Schwimmen, Mountainbiken, Rennradfahren – die Liste ist lang. Aufgrund der gut ausgeschilderten Wege, finden selbst wir Stadtmenschen uns überall zurecht. Nach einer schönen Wanderung springt ihr dann zur Abkühlung in einen der zahlreichen Baggerseen, zum Beispiel den Burkheimer Baggersee umgeben von Sandbergen und doch mitten im Wald. Danach Schuhe aus, Füße hoch und bei einem schönen Glas Grauburgunder den Sonnenuntergang genießen, denn der Kaiserstuhl ist aufgrund seiner fruchtbaren Böden ein ideales Weinanbaugebiet.

Was gibts da so zu kieken?
Bei einer Wanderung durch die blumenreichen Trockenwiesen, märchenhafte Hohlwege und die terrassierten Weinberge entdeckt ihr vielleicht den buntesten Vogel Europas: Den Bienenfresser, der aussieht wie ein Mini-Papagei. Ablenken könnte euch nur noch die Smaragdeidechse, rosa blühende Mandelbäume oder die wilden Orchideen entlang des Weges. Wem Wandern zu langweilig ist, erreicht mit dem Auto in nur 25 Minuten den Europa Park Rust. Und wer Lust auf Kultur hat, der sollte die schöne Stadt Colmar im Elsass oder Freiburg erkunden. Aufgrund der Lage seid ihr in Nullkommanichts in Frankreich oder in der Schweiz.

Wo komm ick unter?
Die Klassiker à la Campingplatz, Hotel und Ferienhaus gibt es auch am Kaiserstuhl. Ein richtiges Highlight ist eine Übernachtung auf einem Winzerhof. Umgeben von Reben und Obstbäumen könnte ihr in gemütlichen Wohnungen euren nächsten Wandertag planen. Los geht es für zwei Personen bei 65 EUR pro Nacht, zum Beispiel auf dem Maienbrunnenhof in Ihringen.